Moin,
mein Name ist Abeer und ich komme aus Damaskus, Syrien. Seit 6,5 Jahren lebe ich in Deutschland. In meinem Heimatland habe ich Jura studiert und musste hier leider meinen Beruf aufgeben. Ich wollte unbedingt arbeiten oder eine Ausbildung machen. Mehrmals habe ich versucht, andere Ausbildungen zu machen, leider ohne Erfolg. Ich habe allerdings eine Leidenschaft für Essen und Süßigkeiten. Deshalb habe ich einen dreimonatigen Kurs zur Existenzgründung absolviert. Den habe ich vom Jobcenter bekommen, weil ich mich selbstständig machen wollte. Vor ungefähr einem Jahr habe ich dann meinen eigenen Laden „Frisch“ am Vinetaplatz eröffnet. Dort bereite ich Kaffee, Eis und viele weitere, leckere Spezialitäten zu. Ich bin die erste syrische Frau in Schleswig-Holstein, die sich selbstständig gemacht hat.
Besonders schwierig war für mich, die Gesetze, die Bürokratie und die Papiere zu lesen und zu verstehen. Dabei hat mir allerdings am meisten geholfen, die Sprache zu lernen und die Hilfe einer Steuerberaterin, die mich bei den Unterlagen unterstützt.
Wenn man neu in Deutschland ist, sollte der erste Schritt sein, Deutsch zu lernen. Das braucht man für alles und ohne die Sprache hat man wenig Chancen hier. Danach kann man sich um eine Ausbildung oder Arbeit kümmern.
Das Leben in Deutschland ist ganz anders als in Syrien. Mich erstaunt vor allem das deutsche Sozialsystem. Der Staat hilft armen Menschen und gibt Geld und Unterstützung. Das finde ich sehr gut. In Syrien kann man nur Hilfe von der Familie erwarten.
Meine schönste Erfahrung hier in Deutschland ist der Kontakt mit meinen Kunden im Laden. Besonders freue ich mich über Lob und wenn meine Kunden zufrieden sind mit meinem Essen. Ich bin sehr dankbar, dass mein Laden so gut läuft und immer wieder nette Menschen Werbung für mich machen.