Moin,
ich heiße Daniel und komme aus Eritrea. Seit 7 Jahren lebe ich in Deutschland. In meinem Heimatland habe ich Meeresbiologie studiert und dann hier in den ersten 2 Jahren in diesem Feld auch gearbeitet. Danach wollte ich etwas anderes machen und habe eine Ausbildung zum Rettungssanitäter erfolgreich abgeschlossen. Anschließend habe ich gemerkt, dass ich lieber noch mehr in den medizinischen Bereich gehen möchte. Deshalb mache ich aktuell eine Ausbildung zum MTRA (Medizinisch-technologische Radiologieassistenten).
Meine größten Schwierigkeiten waren am Anfang, dass man so wenig Kontakt zu Mitmenschen hatte und fehlende Sprachkenntnisse. Ohne Deutsch ist das Leben in Deutschland sehr kompliziert.
Mir hat eine Familie sehr geholfen, die heute in Husum lebt. Ich war zweimal wöchentlich bei ihnen zu Besuch. Das hat mich motiviert, weiterzumachen und mein Deutsch hat sich verbessert. Auch Audio-Bücher haben mir geholfen, die Sprachkenntnisse zu steigern. Mit der Zeit fängt man automatisch an, die Sätze zu übersetzen.
Wenn man neu nach Deutschland kommt, sollte man einen starken Willen und ein Ziel fest vor Augen haben. Auf jeden Fall hilft es, mit der deutschen Gesellschaft in Kontakt zu kommen. Das verbessert dein Deutsch, erleichtert deine Integration und du kannst Vorurteile gegenüber Deutschen abbauen. Sportvereine sind da eine gute Möglichkeit.
Am besten kannst du Ausländern helfen, wenn beide Seiten aktiv dabei sind. Wichtig finde ich, dass man die Geflüchteten fragt, wie und wobei man ihnen helfen kann. Man sollte niemanden bevormunden oder Entscheidungen über ihren Kopf hinweg treffen.
Ich hatte einen sehr positiven ersten Eindruck von der deutschen Kultur, deshalb gab es für mich keinen klassischen Kulturschock. In Deutschland sind die Menschen sehr pünktlich, das mag ich. Mich stört aber manchmal, dass Deutsche wenig spontan oder flexibel sind. In meinem Heimatland ist es nicht so stressig, wenn Termine kurzfristig verschoben werden.
Meine schönste Erfahrung in Deutschland ist, dass ich eine neue Kultur und Mentalität kennengelernt habe und damit meinen Horizont erweitern konnte. Die Freunde, die ich hier getroffen habe, kann man nicht mit Geld kaufen und sind ein wertvoller Schatz für mich. Ich wünsche allen, dass wir die Corona-Krise bald überwinden und als Gesellschaft gestärkt aus dieser herausgehen. Helft Menschen, die Hilfe benötigen. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.