Moin,
mein Name ist Fadel und ich komme aus Aleppo, Syrien. Ich lebe in Deutschland seit 2010. Ich arbeite in einer Informatikfirma in Hamburg und sitze aktuell im Homeoffice. Zuvor habe ich in einem Informatikbetrieb in Kiel gearbeitet.
Ich bin als Student nach Deutschland gekommen. Am Anfang ist die größte Schwierigkeit die Sprache. Vor allem als Ausländer in Deutschland ein Studium anzufangen, wenn man Deutsch noch nicht richtig versteht, ist sehr kompliziert. Mein Problem auf dem Campus war, dass sich viele Studenten vorher schon kennengelernt und ihre Gruppen gebildet haben. Ich kannte aber niemanden und war schnell ausgeschlossen. Es war sehr schwierig für mich, neue Leute zu treffen. So geht es glaube ich vielen, die neu nach Deutschland kommen.
Außerdem hatte ich finanzielle Probleme. Als Ausländer hatte ich keinen Anspruch auf staatliche Leistung wie Bafög. Eigentlich wollten mich meine Eltern aus Syrien unterstützen, aber dann kam der Krieg. Ich war auf mich alleine gestellt, und musste neben meinem Studium auch noch arbeiten, um mein Studium zu finanzieren. Wichtig ist, um diese Probleme aus dem Weg zu räumen, immer ein festes Ziel vor Augen zu haben.
Ich habe viel Menschen, die neue nach Deutschland gekommen sind, geholfen. So habe ich gerade in den Jahren 2014 und 2015 viele Menschen gedolmetscht. Bei der Organisation „Kiel hilft Flüchtlingen“ habe ich auch ehrenamtlich mitgearbeitet.
Ich möchte Geflüchteten in Deutschland einen Tipp geben: Habt einen Plan vor Augen und überlegt euch, welche nächsten Schritte notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn das nicht klappt, sei nicht entmutigt. Oder ihr plötzlich andere Möglichkeiten bekommt, dann nutzt diese. Ihr müsst nicht am Plan festhalten. Es hilft aber, ein Ziel im Blick zu haben.
Wenn ihr Geflüchteten helfen wollt, könnt ihr sie am besten bei der Sprache unterstützen. Als Helfer oder Helferin muss man nicht in allen Werten mit den Geflüchteten übereinstimmen. Habe bitte Verständnis dafür, dass einige Vorstellungen Geflüchteter anders sind als eure. Sie können zu Beginn ihres Aufenthalts in Deutschland noch nicht wissen, wie das Leben hier funktioniert und welche Werte und Regeln es gibt. Helft Menschen einfach, weil es Menschen in Not sind.
Es gibt sicherlich viele Unterschiede in der deutschen und syrische Kultur. Ich lebe aber seit fast zwölf Jahren in Deutschland und vermische die beiden Kulturen. Ich bin gut integriert in Deutschland, deshalb fällt es mir schwer, heute noch Unterschiede auszumachen. Wenn ich heute allerdings nach Syrien fliege, kriege ich dort einen Kulturschock. Vor 10 Jahren war das andersherum.
Mein schönster Moment hier war, als meine Familie endlich auch nach Deutschland kommen konnte. Das war im Jahr 2016. Ich habe bei der Ausländerbehörde einen Antrag gestellt und 7 Monate später haben sie dann über ein Neuaufnahmeprogramm das Visum bekommen. Außerdem war es ein tolles Gefühl, als ich den Abschluss von meinem Studium geschafft habe.