Moin,
ich heiße Faisal und bin 37 Jahre alt. Mein Heimatland ist Syrien und ich bin seit Ende 2015 in Deutschland.
An der Fachhochschule Kiel habe ich 2020 meinen Master in Migration und Diversität erfolgreich abgeschlossen. Im Moment arbeite ich halbtags für Inab, eine Beratungsstelle für Geflüchtete und Migranten. Wir unterstützen Geflüchtete bei dem Erwerb von Sprachkenntnissen und bei der Berufsorientierung. Parallel bin ich Doktorand an der Universität zu Kiel in der philosophischen Fakultät und gebe darüber hinaus B2-Deutschkurse. In der syrischen Gemeinde und in anderen sozialen Organisationen bin ich ehrenamtlich tätig und habe zum Beispiel als Dolmetscher gearbeitet oder einen Kurs für Deutsche über die arabische Kultur und Sprache angeboten.
Wie für alle war die Sprache am Anfang eine große Herausforderung, obwohl ich in Syrien im Rahmen meines Sprachwissenschaften-Studiums einen kleinen Überblick über die deutsche Sprache hatte. Außerdem hatte ich Schwierigkeiten bei der Finanzierung meines Studiums. Deshalb musste ich nebenbei noch arbeiten. Das Studieren in Deutschland ist anders als in meinem Heimatland. Hier gibt es viel mehr Ausarbeitungen, Referate oder Hausarbeiten zu erledigen. Aber ich hatte glücklicherweise viel Unterstützung von Kommilitonen und Lehrenden.
Man darf nicht aufgeben, auch wenn es oft sehr schwer ist. Der Glaube an sich selbst und seine Fähigkeiten hilft, immer weiterzumachen. Traut euch, Hilfe zu suchen und anzunehmen.
Du kannst Geflüchteten am besten helfen, wenn du sie in der Sprache und bei der Orientierung unterstützt.
Man sollte ein Blick für die andere Kultur haben und versuchen, diese zu verstehen. Es gibt sicherlich viele Unterschiede in den Kulturen. Bei der Bürokratie in Deutschland hatte ich einen Kulturschock. Es ist einfach sehr viel und undurchsichtig.
Meine schönste Erfahrung ist die Zeit, seitdem ich in Kiel lebe. Vorher in einem anderen Bundesland war es für mich aus verschiedensten Gründen schwierig und die Menschen waren verschlossen und nicht so hilfsbereit. In Kiel gefällt es mir viel besser. Die Menschen sind freundlicher und bieten mehr Hilfen an. Dafür bin ich sehr dankbar.