Moin,
ich heiße Hassin und komme aus Äthiopien. Ich bin seit Oktober 2018 in Deutschland und lebe in Heide. Mir war direkt klar, dass die Sprache der Schlüssel zum Glück ist. Deswegen habe ich sofort angefangen, Deutsch zu lernen. Gerade arbeite ich als Arzt in einem Krankenhaus. Ich habe in Äthiopien Medizin studiert und musste dann hier ein Praktikum machen. Anschließend habe ich Sprach- und Fachprüfungen abgelegt und habe damit meine Approbation erhalten.
Ich wusste am Anfang keinen Weg, den ich gehen sollte. Es war schwer, weil alles fremd war. Ich wusste nur, dass ich hier als Arzt arbeiten wollte. Mir war aber nicht bewusst, an wen ich mich wenden muss oder wie das funktioniert.
Mein Interesse und meine hohe Motivation haben mir geholfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Ich hatte immer ein Ziel vor Augen und habe hart für meinen Traum gearbeitet. Ich habe alles investiert, um hier bleiben zu können.
Ich möchte Menschen, die neu in Deutschland sind, einen Top geben: Am Anfang werden euch vermutlich alle Wege zum Glück verbaut sein. Ihr müsst selbst etwas tun und euch motivieren, damit sich was verändert. Ihr solltet mindestens 1 Ziel für das Leben in Deutschland haben. Dann überlegt euch, was ihr tun müsst, um das zu schaffen. Scheut euch nicht davor, nach Hilfe zu fragen. Allerdings solltet ihr das höflich und nett machen. Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass euch auch geholfen wird.
Wenn ihr als Deutsche Geflüchtete helfen wollt, dann habe ich eine Bitte. Für Ausländer ist alles neu in Deutschland. Sie wissen noch nicht, wie das Leben hier abläuft und an welche gesellschaftlichen Regeln man sich halten muss. Für Deutsche sieht das vielleicht leicht aus, aber für uns ist das sehr schwer. Ich erhoffe mir, dass dafür ein noch größeres Verständnis bei Deutschen entsteht. Wenn ihr seht, dass eine Person vielleicht Hilfe benötigt, dann sprecht sie gerne an und fragt, ob ihr sie bei irgendwas unterstützen könnt. Das hat mir zu Beginn sehr geholfen.
Der größte Unterschied in den Kulturen ist meiner Meinung nach der Umgang zwischen den Generationen. In Äthiopien kommen die verschiedenen Generationen weniger in Kontakt. Man spricht als junge Person nicht einfach so mit älteren Menschen oder isst zusammen mit ihnen am selben Ort. In Deutschland wird das lockerer gesehen. Das ist eine große Umstellung für mich.
Meine schönste Erfahrung ist, dass ich meine Ziele hier erreicht habe. Über jeden kleinen Schritt bin ich sehr stolz. Die meisten Begegnungen hatte ich über die Schule und habe über sportliche Aktivitäten Freunde kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar.