Moin,
mein Name ist Manhal und ich komme aus Syrien. Seit 2014 lebe ich in Deutschland und bin Informatiker. Ich habe eine Teilzeitstelle bei der ZBBS als Systemadministrator und arbeite als Informatiklehrer in dem Projekt „Informatik für Geflüchtete“. Außerdem habe ich mich als Informatiker und Fotograf selbstständig gemacht.
Für mich war die Anfangszeit hier sehr schwer. Ich bin ein Familienmensch, deshalb war die Einsamkeit ein sehr großes Problem für mich. Das Wetter und der lange, dunkle Winter waren eine zusätzliche Herausforderung.
Geholfen hat mir, Kontakte zu knüpfen und ganz tolle Menschen kennengelernt zu haben. Eine Person nenne ich heute Mutter, sie ist meine schönste Begegnung und mein Lieblingsmensch in Deutschland. Ich habe mir Hobbies gesucht, um gegen das Wetter und die Einsamkeit anzugehen. Ich mache gerne Fotografie, Fahrrad fahren und Sport.
Ich möchte allen Menschen, die hier herkommen, sagen: Es ist nicht einfach, aber machbar. Seid geduldig und sucht euch als Ausgleich schöne Hobbies. Knüpft Kontakte mit Deutschen und verliert niemals die Hoffnung.
Allen Menschen, die Geflüchteten helfen möchten, rate ich, dass Freundschaft die beste Hilfe ist. Es ist viel mehr als Sprachunterstützung oder Begleitung. Gibt den Menschen bitte auch Zeit. Hinter den Gesichtern sind versteckte Geschichten und es dauert, bis sich die Person öffnet und die Geschehnisse verarbeiten kann. Bitte übt keinen Druck aus.
Für mich gibt es große Unterschiede zwischen meiner Kultur und der deutschen. Es gibt einen lustigen Unterschied, den ich hier erwähnen möchte: Zur Weihnachtszeit schicken alle Menschen Geschenke und man merkt, wie überlegt die Geschenke in Deutschland sind. Das finde ich wunderschön. In meiner Heimat sind sie meistens 08/15 und eher unpersönlich. Da spüre ich, wie eingedeutscht ich bin.
Einer meiner schönsten Erfahrungen ist es auch, dieses Projekt zu machen. Es hat mir große Freude gemacht, die 24 Interviews für den Mut-Mach-Kalender zu führen. Ich habe feststellen können, dass es vielen auch so erging wie mir. Die Schwierigkeiten sind groß, aber die Hoffnung bleibt immer größer. Ich möchte mich bei allen bedanken, die bei dem Projekt teilgenommen und es ermöglicht haben. Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.