Moin,

ich heiße Masuma Habibi und komme aus Afghanistan. Aufgewachsen und gelebt habe ich allerdings im Iran. Meine Familie ist 2015 für einige Monate in mein Heimatland Afghanistan gezogen, bevor wir dann wegen massiver Probleme nach Europa geflüchtet sind. Seit Ende 2015 lebe ich mit meinem Mann und unseren 3 Kindern in Deutschland. Aktuell mache ich eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin. Außerdem habe ich in Afghanistan ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Weine jetzt nicht“, in dem afghanische Frauen über ihre Flucht sprechen.
Wie für vermutlich fast alle war die Sprache am Anfang ein großes Problem. Ich habe ein Alphabetisierungskurs absolviert, durfte dann aber keine anderen Deutschkurse besuchen. Ich habe 1,5 Jahre warten müssen und dann alle Sprachniveaus hintereinander bestanden. Sehr schwer war für mich auch die Führerscheinprüfung, besonders der praktische Teil.
Wichtig um diese Schwierigkeiten zu überstehen und für meine gute Integration in Deutschland, war das Erlernen der Sprache. Die Sprache ist der Schlüssel zum Glück hier. Nutze die unterschiedlichen Möglichkeiten, Deutsch zu lernen. Von Deutschkursen über Bücher und Magazine bis hin zu YouTube-Videos. Es ist schwer das zu lernen, aber wenn ihr dabei bleibt, dann schafft es jeder. Es gibt viele nette Menschen in Deutschland, die euch ehrenamtlich unterstützen wollen. Nutzt diese Gelegenheit, um gleichzeitig Kontakte zu knüpfen. Ich habe vorher viele Vorurteile über Deutsche gehört und hatte deshalb am Anfang kaum Kontakt zu Deutschen. Nach ungefähr einem Jahr habe ich aber gemerkt, dass die ganzen Vorurteile gar nicht stimmen. Dann habe ich angefangen, Kontakt mit Deutschen zu haben und es ist sehr schön und bereichernd.
Wichtig für ein gutes Miteinander in Deutschland ist, dass sowohl Deutsche als auch Ausländer gegenseitig Respekt und Toleranz zeigen. Und alle müssen verstehen und akzeptieren, dass es Unterschiede in den Kulturen gibt. Das ist aber auch nicht schlimm. Eine Kultur ist nicht besser als die andere. Für mich war es eine große Umstellung, dass in Deutschland Pünktlichkeit wesentlich wichtiger ist als in meinem Heimatland. Dort ist es normal, eine halbe Stunde oder sogar eine Stunde zu spät zu kommen. Am Anfang war das schwer für mich, aber jetzt bin ich auch immer pünktlich.
Wenn du Geflüchteten helfen willst, dann bitte ich dich, dass du uns Zeit lässt und nicht unter Druck setzt.
Meine schönste Erinnerung sind die ersten Tage, als wir in Deutschland angekommen sind. Es war Weihnachtszeit, die Straßen waren schön beleuchtet und alles war geschmückt. Meine Kinder haben überall Schokolade und kleine Geschenke bekommen. Daran erinnere ich mich sehr gerne zurück.