Moin,
mein Name ist Michael und ich bin 34 Jahre alt. Ich komme aus Eritrea und lebe seit 2014 in Deutschland. Zurzeit studiere ich in Hamburg Soziale Arbeit. Gleichzeitig mache ich eine zweijährige Online-Weiterbildung ,,Pastoral in dem Kontext menschlicher Mobilität und Migration“ in der Schweiz. Ich arbeite bei der ZBBS einerseits im Projekt ,,Die Öffnung der Familie“. Dort diskutieren wir über gesellschaftliche Themen wie Demokratie oder Gleichberechtigung. Andererseits organisiere ich im Projekt ,,ZEIK Talk“ Veranstaltungen, in denen sich Menschen in lockerer Atmosphäre begegnen und kennenlernen können.
Die größten Schwierigkeiten waren zu Beginn die Sprache, der Kontakt zu Deutschen und das Einleben in die neue Kultur. Ich finde den Asylprozess in Deutschland unfair und unnötig bürokratisch. Viele Menschen müssen sehr lange auf eine Entscheidung warten oder leben mit einer Duldung.
Generell hat mir geholfen, auf Menschen zuzugehen und sich auszutauschen. Meine Offenheit und meine Zielstrebigkeit waren eine große Unterstützung. Ich hatte immer ein Ziel vor Augen. Das hat mich motiviert, auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen. Auch die verschiedenen Organisationen und soziale Projekte, wie bei der ZBBS, haben mich weiter gebracht.
Wenn du erst seit kurzem in Deutschland bist, möchte ich dir raten, zuerst die Sprache zu lernen und dann mit Menschen in Kontakt zu gehen. Das bildet die Grundlage für eine gelungene Integration und für deinen beruflichen Weg. Du musst dich immer motivieren, auch wenn es manchmal schwer ist.
Wenn du Geflüchteten helfen willst, dann finde ich es wichtig, dass ihr zusammen arbeitet und nicht du die ganze Arbeit übernimmst. Du kannst der Person den richtigen Weg zeigen, aber entscheide nicht für sie.
Es gibt große Unterschiede zwischen den Kulturen. In meinem Heimatland wird öfter ,,wir“ statt ,,ich“ benutzt. In Deutschland war ich bei der Kommunikation oft geschockt, wie offen Deutsche über ihre eigenen Bedürfnisse reden. Sätze wie ,,Ich will…“ kenne ich aus Eritrea nicht und wirkten auf mich am Anfang sehr egoistisch, weil in Eritrea mehr in Gemeinschaft und mit der ganzen Familie gelebt und gedacht wird.
Ich habe in Kiel und Hamburg viele internationale Freunde. Ich habe viele Geschichten von Menschen aus aller Welt gehört. Das finde ich sehr interessant. Ich genieße es sehr, hier in Freiheit leben zu können. Ich bin sehr dankbar, einen Studienplatz und ein Stipendium bekommen zu haben. Das war mein schönstes Erlebnis.