Moin,
ich bin Shamsia. Ich bin Frauenrechtlerin aus Afghanistan und lebe seit fast 6 Jahren in Deutschland. Ich arbeite als selbstständige Referentin für interkulturelle Arbeit und studiere nebenbei an der Universität Kiel Internationale Politik. Ich habe in meinem Heimatland Politikwissenschaften studiert. Das wurde mir in Deutschland auch anerkannt.
2 Jahre lang habe ich festangestellt beim Paritätischen Schleswig-Holstein als Referentin für politische Bildung gearbeitet. Als ich dann mein Studium begonnen habe, wollte ich flexibler sein und habe angefangen, selbstständig zu arbeiten, indem ich Workshops und Veranstaltungen geleitet habe. Dafür werde ich von unterschiedlichen Organisationen gebucht. Meine Themen sind unter anderem Interkulturelle Öffnung, Frauenrechte, Menschenrechte und Diversität.
Wenn man in eine neue Gesellschaft kommt, hat man zu Beginn immer mit Herausforderung zu kämpfen. Die erste Schwierigkeit ist sicherlich die Sprache. Die zweite ist, dass man mit der Gesellschaft in Kontakt kommen muss. Und es ist sehr schwierig, dass man sich in seinem Heimatland sein Leben aufgebaut hat und dann hier in Deutschland wieder von vorne anfangen muss.
Um diese Probleme zu bewältigen, hat mir meine Offenheit am meisten geholfen. Ich war bereit, eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen. Das macht es leichter, hier anzukommen.
Wenn du neu nach Deutschland gekommen bist, möchte ich dir einen Ratschlag geben: Es ist nicht gut, alles sofort schaffen zu wollen. Dann bist du im Stress und setzt dich zu viel unter Druck. Das wird dich krank machen. Es ist aber auch nicht richtig, nur rumzusitzen und gar nichts zu tun. Du musst einen gesunden Mittelweg finden, der dich zu deinem Ziel bringen wird. Nimm dir Zeit für diesen Prozess.
Wenn du Kontakt zu neulich Geflüchteten hast, möchte ich dich bitten, dass du genauso offen bist. Denn nur dann können wir zusammen eine gute Gesellschaft aufbauen, welche geprägt ist vom gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Dafür solltest du alle Vorurteile vermeiden. Jede geflüchtete Person hat ihre eigene Geschichte und die allermeisten davon sind sehr belastet. Ich hoffe auf ein Verständnis, dass Geflüchtete keine Touristen sind oder hier reich werden wollen. Wir sind gekommen, um zu überleben.

Große Unterschiede gibt es in der Kultur vor allem bei Freunden treffen. In meiner Kultur ist es ganz normal spontan bei Freunden aufzutauchen und da bleibt man gerne auch mal mehrere Tage. In Deutschland wäre so etwas spontanes nicht möglich. Ich finde beide Angewohnheiten nicht so gut, sondern wünsche mir einen Mittelweg.
Meine schönste Erfahrung ist der Prozess, den ich hier in Deutschland gemacht habe. Am Anfang war es nicht leicht für mich, deshalb bin ich sehr stolz, was ich hier erreicht habe.