Moin,
ich heiße Shima und komme aus dem Iran. Ich bin mit meiner Mutter im Jahr 2018 nach Deutschland gekommen. In meinem Heimatland habe ich bereits 4 Jahre lang Medizin studiert,
konnte dies aber dort nicht fortsetzen. In Deutschland habe ich erst 2 Jahre lang Deutschkurse gemacht, habe dann 1 Semester Pharmazie studiert, das aber wieder abgebrochen, weil es mir nicht gefallen hat.
Heute studiere ich im 3. Semester Medizin in Kiel.
Meine größte Schwierigkeit war die Sprache. Aber auch die Bürokratie zur Anerkennung des Aufenthaltsstatus und der Studien- und Schulleistungen.
Generell stört mich, dass fast nichts aus dem Heimatland anerkannt wird und man praktisch wieder bei null in Deutschland starten muss.
Mir hat Zielstrebigkeit sehr geholfen. Aber auch meine Familie und die netten Menschen, die ich hier kennengelernt habe, waren eine große Unterstützung. Der Verein „Kulturgrenzenlos“ und die ,,ZBBS“ haben mir beim Prozess der Integration viel geholfen.
Ich möchte neu nach Deutschland gekommenen Menschen raten, positive und hoffnungsvoll zu bleiben. Am Anfang wird man viele „Neins“ bekommen. Lasst euch davon nicht unterkriegen, sondern bemüht euch weiter und schmeißt eure Träume nicht weg. Es wird sich lohnen, auch wenn es vielleicht länger dauert, als man sich erhofft.
Ich habe eine Bitte an alle, die Geflüchteten helfen wollen: Bitte sprich auf Augenhöhe mit uns. Ich hoffe, dass ihr nachvollziehen könnt:
Wenn eine Person sich nicht gut äußern kann, bedeutet nicht, dass diese Person nichts versteht. Habt Verständnis, dass die deutsche Sprache eine große Herausforderung ist. Aber ich möchte mich Bedanken für die großartige Hilfe und Angebote, die es hier gibt.
Es gibt viele Unterschiede in den beiden Kulturen. Ein lustiger Unterschied ist zum Beispiel Partys.
Im Iran ziehen wir in Partys High Heels und elegante Kleider an, es sind sehr viele Menschen eingeladen. Es gibt eine riesige Torte und alle tanzen zu lauter Musik. So ist beispielsweise der Geburtstag eines Kindes!
In Deutschland ist aber total anders.
Meine schönste Begegnung in Deutschland war mit meiner Tandempartnerin aus dem Projekt „Tandems“ bei Kulturgrenzenlos.
Sie war meine erste Freundin. Wir teilen uns die gleichen Interessen und sind im selben Alter. Wir sind aber lediglich in unterschiedlichen Umgebungen aufgewachsen. Die Unterschiede wahrzunehmen und zu verstehen, macht mir Spaß. Mein schönstes Erlebnis ist, dass meine Tandempartnerin und ich als Vorbilder des Projekts geehrt wurden und ein Interview in den Kieler Nachrichten gegeben haben. Das wurde dann veröffentlicht und viele haben es gelesen. Mein bester Moment in Deutschland war, als das International Office der Universität mich angerufen hat, um mir die Zulassung zu meinem Medizinstudium zu verkünden, war sehr emotional und schön.