Moin,
ich heiße Talal, ich bin 27 Jahre alt und lebe seit 7 Jahren in Deutschland. Ich arbeite zurzeit bei den Stadtwerken als Elektroniker Betriebstechnik. Ende 2016 habe ich mich bei den Stadtwerken beworben und habe dort die Ausbildung zum Elektroniker gemacht. Heute bin ich nebenbei selbstständig. Die Idee dazu hatte ich schon, bevor ich nach Deutschland gekommen bin. Ich bin aber ein Sicherheitsmensch und wollte deswegen erstmal eine Ausbildung sicher haben, bevor ich mich meiner Selbstständigkeit widmen wollte. Mir war es als Jemenit wichtig, etwas Kleines aus meinem Heimatland mit nach Deutschland zu bringen. Deshalb verkaufe ich Rohkaffee aus Jemen. Ich bin auf den Kaffeeplantagen aufgewachsen, kenne die Bauern und die Produktionsweise. Darauf bin ich sehr stolz.
Die erste Herausforderung war die Sprache, denn für alles braucht man Sprachkenntnisse. Das ist aber harte Arbeit und dauert sehr lange. Da muss man motiviert bleiben und immer weiter machen. Alles was passiert, geschieht durch Sprache. Deshalb ist für mich die Sprache der Schlüssel eines Landes.
Geholfen hat mir dabei, unter Menschen zu kommen. Ich habe die Sprache, die ich vormittags gelernt habe, am Nachmittag in der Stadt angewendet. Dabei bin ich bewusst mit Deutschen ins Gespräch zu kommen, um meine Kenntnisse zu erweitern. Ich habe versucht, Deutsche kennenzulernen, das war auch eine Herausforderung. Du musst auf die Menschen direkt zu gehen.
Ich bin in einer sehr weltoffenen und toleranten Familie aufgewachsen, deshalb war das Leben in Deutschland für mich keine große Umstellung. Trotzdem gibt es Unterschiede in den Kulturen. Die Deutschen brauchen zum Beispiel sehr viel länger, um Entscheidungen zu treffen. Ich kann den Satz ,,Ich muss da nochmal eine Nacht drüber schlafen“ nicht mehr hören.
Das möchte ich allen raten, die erst seit kurzem hier sind: Es gibt viele Ablenkungen und Gefahren, z.B. Zuhause rumsitzen und nichts tun. Die muss man abwenden, um ans Ziel zu kommen. In Deutschland wird Deutsch gesprochen, deshalb sollte man als erstes die Sprache lernen. Investiere in dich selbst!
Und wenn du einer geflüchteten Person helfen möchtest, dann schreibe der Person nichts vor. Sie muss ihre eigenen Erfahrungen machen und Entscheidungen treffen. Du kannst ihr aber bei allem unterstützend zur Seite stehen.
Die Erfahrungen, die ich jeden Tag mache, sind sehr wertvoll für mich. Hinter jedem Menschen oder (Geschäfts)-idee steckt immer eine Geschichte. Diese herauszufinden, macht mir Freude.